Akzeptierende Eltern – Selbstverständnis unseres Verbandes

29 Februar 2008

Unser Verband versteht sich als Dachorganisation für Eltern und Angehörige, die eine humane Drogenpolitik im Sinne des Grundgesetzes fordern. Er wird von Elterninitiativen aus der gesamten Bundesrepublik getragen. Ziel ist eine verstärkte Zusammenarbeit und ein verstärkter Austausch zwischen Elterngruppen, die sich für akzeptierende Drogenarbeit engagieren.

Akzeptierende Eltern Logo

Die Arbeit unseres Verbandes hat einen breitenwirksamen Gesundheitsförderungs-Charakter. Durch die Selbsthilfe der betroffenen Eltern wird nicht nur die eigene Genesung zu erreichen versucht, sondern durch den Schwerpunkt “akzeptierender Elternarbeit” auch eine Schadensminimierung für unsere Drogen gebrauchenden Kinder angestrebt. Die Verhinderung ihrer Verelendung und damit verbunden eine erhöhte Bereitschaft, Infektionsprophylaxen anzuwenden, hat einen gesundheitspolitischen Wert, nicht nur für die Konsument(inn)en, sondern auch für die “Normalbevölkerung”, weil dadurch die Verschleppung von Infektionen (besonders Hepatiden+HIV) verhindert wird.

In unseren Elternkreisen findet Elternselbsthilfe im gemeinsamen Gruppenprozess ohne Fremdhilfe statt. Die gleichen Sorgen, Nöte, Ängste, die gleichen Hoffnungen und Wünsche, aber auch die gleiche Wut und Verzweiflung haben uns zusammengeführt.

Durch den Austausch von Informationen und Erfahrungen der Gruppenmitglieder untereinander und deren Mithilfe bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten in Krisensituationen werden Selbsthilfekräfte jedes einzelnen angeregt.

Die Gruppen bieten Schutz und Geborgenheit, sind Orte des Erfahrungsaustausches, Räume, wo man sich fallen lassen kann, wo man lernen kann Menschen, Sachverhalte und sich selbst aus einem anderen Blickwinkel wahrzunehmen und ihnen gegebenenfalls einen anderen Stellenwert einzuräumen. Die Gruppen haben somit eine entlastende Funktion. Entlastend nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft, da Selbsthilfe so gut wie kostenlos ist. Würde der immense Druck, unter dem Angehörige von Drogenkranken stehen, nur über professionelle Hilfe abgebaut, wäre dies ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor im Gesundheitswesen. All diese Erfahrungen werden über den Bundesverband gesammelt und weitergegeben.

Im Mittelpunkt der Selbsthilfe steht in der Regel die eigene Person und die Bewältigung der eigenen Konflikte. Doch das Drogenproblem erfasst die ganze Familie. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass wir Eltern uns um das Wohl aller Familienmitglieder bemühen, und das schließt unser drogenabhängiges Kind mit ein.

Daraus ergibt sich für die Eltern und unseren Verband die soziale und gesellschaftliche Verpflichtung, Einfluss zu nehmen, dass sich die derzeitigen diskriminierenden und ausgrenzenden Lebensbedingungen der Drogenabhängigen zugunsten menschenwürdiger und integrativer Lebensmöglichkeiten verbessern, auch für diejenigen Abhängigen, die es nicht schaffen, auf Dauer abstinent zu leben.

Öffentlichkeitsarbeit und Weiterbildung ist unverzichtbarer Bestandteil unserer Verbandsarbeit.

Jürgen Heimchen, Vorsitzender

http://www.akzeptierende-eltern.de/


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.